CI-Farben. Dieses Wort taucht in fast jedem Design-Briefing auf. Und fast immer meinen Leute damit: die Farben die wir benutzen.
Das stimmt. Aber es erklärt nicht warum diese Entscheidung so weit tragende Konsequenzen hat.
Ich höre regelmäßig: „Ich habe meine CI-Farben. Das ist das Grün und das Orange.“ Gut. Aber warum genau diese zwei? Und was kommunizieren sie zusammen, in welcher Kombination, in welchem Kontext?
Auf diese Fragen bekomme ich meistens keine Antwort. Was zeigt dass die Farben gewählt wurden, nicht entwickelt.
Was CI-Farben wirklich sind
Corporate Identity Farben sind die farbliche Übersetzung der Markenpersönlichkeit in ein System das auf allen Kanälen konsistent eingesetzt werden kann.
Das Wort System ist entscheidend. Es geht nicht um eine Farbe oder zwei. Es geht um das Zusammenspiel: Welche Farbe trägt die Hauptlast, welche setzt Akzente, welche schafft Raum. Wie verhalten sich die Farben zueinander auf hellem und dunklem Hintergrund. Wie wirken sie in kleinem Format, in großem Format, auf Papier, auf Screen. Wie daraus eine Farbkombination entsteht, ist die Frage danach.
CI-Farben die nur als Hex-Codes existieren ohne Regeln für ihren Einsatz, sind kein System. Sie sind eine Liste.
Corporate Design Farben und Corporate Identity Farben: Wo der Unterschied liegt
Beide Begriffe meinen dieselben Farben. Sie beschreiben nur verschiedene Ebenen.
Corporate Identity ist das Ganze: wofür ein Unternehmen steht, wie es sich verhält, wie es spricht, wie es aussieht. Corporate Design ist der sichtbare Teil davon. Logo, Typografie, Bildsprache, Farbe.
Corporate Design Farben ist deshalb der genauere Begriff für das Farbsystem selbst. CI-Farben ist der Oberbegriff, unter dem die Farben mitlaufen.
Wer nach einem Corporate Design Farbkonzept fragt, meint die Regeln: welche Farbe wo, in welcher Gewichtung, mit welchem Kontrast. Wer von CI-Farben spricht, meint meistens dasselbe, benennt es aber über die Identität statt über die Gestaltung. In der Arbeit macht das keinen Unterschied. Im Denken schon: Die Farbe ist eine Gestaltungsentscheidung, die aus einer Identitätsentscheidung folgt.
Wie Farben strategisch gewählt werden
Nicht mit einem Farbkreis. Nicht mit Pinterest. Mit Fragen.
Was soll die Farbe beim ersten Kontakt auslösen? Welche Preisklasse soll sie signalisieren? In welchem Farbteich bewegt sich deine Branche und wie positionierst du dich dazu?
Ich erkläre das meinen Kundinnen mit dem Farbteich-Effekt: Jede Branche hat Farben die sich so oft wiederholt haben dass sie zur visuellen Sprache dieser Branche geworden sind. Wer genau diese Farben verwendet, kommuniziert Zugehörigkeit zur Masse. Wer bewusst abweicht, kommuniziert Führung.
Das bedeutet nicht immer abweichen. Manchmal ist die richtige Entscheidung eine Farbe aus dem Branchenteich zu wählen aber durch die Kombination oder den Einsatz eine eigene Handschrift zu zeigen. Den vollständigen Rahmen zeigt der Artikel darüber, wie Farbpsychologie im Branding strategisch funktioniert.
Primär-, Sekundär- und Akzentfarben: Was wozu dient
Ein funktionierendes CI-Farb-System hat drei Ebenen.
Die Primärfarbe trägt die Hauptlast der Markenidentität. Sie ist die Farbe die jemand sofort mit deiner Marke verbindet. Sie taucht auf der Website am häufigsten auf, im Logo, in Headings. Wie Typografie dieselbe Aussage trägt, gehört zum selben System.
Die Sekundärfarbe ergänzt und schafft Kontrast. Sie ermöglicht Variationen ohne die Kohärenz zu verlieren.
Die Akzentfarbe setzt Schwerpunkte. CTA-Buttons, Highlights, wichtige Aussagen. Sparsam eingesetzt hat sie das größte Gewicht. Wer Akzentfarben überall einsetzt, hat keine Akzente mehr sondern Lärm. Dasselbe gilt für den Raum zwischen den Elementen.
Dazu kommt fast immer ein Neutralton: Weiß, Off-White oder ein dunkler Grundton. Dieser Ton macht eigentlich den meisten Platz aus und wird am wenigsten bewusst gewählt. Ein Fehler.
Was passiert wenn CI-Farben falsch gewählt werden
Sie kommunizieren das Falsche. Preisklasse, Persönlichkeit, Branchenzugehörigkeit. Alles davon wird durch Farbe signalisiert bevor ein Wort gelesen wurde.
Eine Kundin von mir hatte jahrelang eine Farbwelt die in ihrer Nische die Farbe der Einsteigerinnen war. Nicht weil sie eine Einsteigerin war. Weil sie ihre Lieblingsfarbe zur CI-Farbe gemacht hatte ohne zu prüfen was diese Farbe in ihrem spezifischen Markt kommuniziert. Das hat sie Buchungen gekostet die sie nie messen konnte weil sie nie entstanden sind.
Das ist der blinde Fleck bei CI-Farben: Die Kosten schlechter Farbentscheidungen sind unsichtbar. Sie zeigen sich nicht in einem Fehler sondern in Anfragen die nie kamen. Wie fundamental dieser erste Eindruck ist, zeigt der Artikel darüber, wie der Halo-Effekt die gesamte Wahrnehmung bestimmt.
Wie ich ein Farbsystem für eine Marke entwickle, steht unter Brand und Webdesign.
FAQ
Was sind Corporate Identity Farben? CI-Farben sind die farbliche Übersetzung einer Markenpersönlichkeit in ein konsistentes System. Sie umfassen Primär-, Sekundär- und Akzentfarben sowie Neutraltöne, mit klaren Regeln für ihren Einsatz in verschiedenen Kontexten. Nicht eine Liste von Lieblingsfarben sondern ein strategisch entwickeltes System.
Wie viele CI-Farben brauche ich? Typischerweise drei bis fünf: eine Primärfarbe, eine Sekundärfarbe, eine Akzentfarbe und ein bis zwei Neutraltöne. Mehr Farben erzeugen selten mehr Wirkung. Sie erzeugen meistens Unruhe und erschweren konsistenten Einsatz.
Wie wähle ich die richtigen CI-Farben? Nicht nach Geschmack sondern nach strategischen Fragen: Was soll die Farbe auslösen, welche Preisklasse soll sie signalisieren, wie positioniert sie sich im Branchenkontext. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, beginnt die Farbauswahl.
Was ist der Unterschied zwischen Corporate Design Farben und CI-Farben? Es sind dieselben Farben, benannt über verschiedene Ebenen. Corporate Identity umfasst alles, wofür ein Unternehmen steht. Corporate Design ist der sichtbare Teil davon. Corporate Design Farben bezeichnet damit das Farbsystem selbst mit seinen Einsatzregeln, CI-Farben ist der Oberbegriff darüber.





