Warum Pinterest-Boards keine Website-Strategie sind

von Kathrin Pyplatz | Apr. 13, 2026 | Website & online Auftritt

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Ich kenne diesen Moment. Eine Frau schickt mir vor unserem Gespräch einen Link zu ihrem Inspirations-Board. Dreißig Pins. Dreißig verschiedene Websites. Alle schön. Alle unterschiedlich. Keine davon sie.

Das ist kein guter Ausgangspunkt für eine Website. Das ist ein Ausgangspunkt für eine Website die wie dreißig andere aussieht und nach keiner davon. Wer so ein Projekt startet, plant unbewusst den nächsten Relaunch bereits mit ein.

Das Wichtigste in Kürze: Inspiration ist nicht Strategie. Wer eine Website nach Inspirationsbildern baut, baut die Ästhetik anderer Marken auf die eigene. Das Ergebnis ist ein Auftritt der nirgendwo wirklich hingehört. Kathrin Pyplatz zeigt warum Pinterest-Boards die falsche Grundlage für Website Design sind und was stattdessen funktioniert.

Inspiration ist nicht das Problem. Das Problem entsteht, wenn Inspiration die Strategie ersetzt.

Was Pinterest-Boards wirklich zeigen

Ein Pinterest-Board zeigt was dir gefällt. Nicht was zu dir passt. Nicht was deine Zielgruppe anspricht. Nicht was dein Preisniveau kommuniziert. Ausschließlich was dir ästhetisch zusagt.

Das sind grundverschiedene Dinge.

Was dir gefällt ist subjektiv und veränderlich. Was zu deiner Marke passt ist strategisch und stabil. Wer von Ersterem ausgeht, baut einen Auftritt der sich mit dem eigenen Geschmack verändert. Wer von Letzterem ausgeht, baut einen Auftritt der mit der eigenen Positionierung wächst und Bestand hat.

Ich sehe das in der Praxis immer wieder: Die Frauen die mir Pinterest-Boards schicken, schicken mir oft nach einem Jahr ein neues. Weil sich ihr Geschmack verändert hat. Weil sie neue Accounts entdeckt haben. Weil der alte Auftritt sich nicht mehr richtig anfühlt. Sie jagen einem visuellen Ideal hinterher, das keine Wurzeln in ihrem eigenen Business hat.

Geschmack altert. Identität nicht.

Das Inspirations-Kopier-Problem

Hier ist der genaue Ablauf, wenn Inspiration die Grundlage des Designs wird.

Die Designerin schaut sich die Pins an. Sie extrahiert daraus eine Ästhetik. Farben die ähnlich sind, ein Layout das einem der Pins nahekommt, eine Stimmung die die Gesamtheit der Bilder suggeriert. Sie baut im Grunde einen visuellen Durchschnitt.

Das Ergebnis sieht oft handwerklich gut aus. Es hat eine gewisse Kohärenz, weil die Designerin aus dreißig Pins eine gemeinsame visuelle Sprache destilliert hat.

Aber es zeigt nicht die Frau dahinter. Es zeigt die exakte Schnittmenge ihrer Inspirationsquellen. Die Schnittmenge von dreißig Websites die alle schon existieren, ist per Definition niemals einzigartig. Sie ist ein Kompromiss aus Fremdmaterial.

Ich habe Auftritte gesehen die ich auf Anhieb drei verschiedenen Designerinnen zuordnen konnte, nicht weil die Kundinnen dieselbe Persönlichkeit haben, sondern weil dieselben Inspirationsboards zu denselben ästhetischen Entscheidungen geführt haben. Dieser visuelle Einheitsbrei zerstört jede Differenzierung. Wie das Einheitsbrei-Problem im Coaching-Markt entsteht ist exakt dieselbe Logik.

Was stattdessen der richtige Ausgangspunkt ist

Nicht ein Inspirations-Board. Fragen. Harte, präzise Fragen.

Wer bist du? Was soll jemand fühlen wenn er zum ersten Mal auf deinen Auftritt trifft? Welche Preisklasse soll glasklar kommuniziert werden? Was ist dein Standpunkt zu deinem Fachgebiet? Wer ist die Frau für die du arbeitest und was erlebt sie in genau diesem Moment?

Die Antworten auf diese Fragen formen eine visuelle Sprache die zwingend einzigartig ist. Nicht weil sie krampfhaft exotisch gestaltet wird. Weil sie von einer echten Person mit einer echten Geschichte und einer kompromisslosen Haltung kommt. Sie kopiert nicht, sie übersetzt.

Erst wenn diese solide Grundlage steht, kann Inspiration sinnvoll eingesetzt werden. Nicht als Blaupause sondern als Referenz. Nicht „so soll es aussehen“ sondern „diese Stimmung trifft etwas von dem was ich strategisch festgelegt habe“.

Dieser Rollenwechsel der Inspiration verändert den gesamten Designprozess. Wie Markenidentität als Fundament entwickelt wird zeigt exakt, woher diese unerschütterliche Grundlage kommt.

Wann Inspiration sinnvoll ist

Ich sage nicht dass Inspiration wertlos ist. Sie ist hochgradig wertvoll, wenn sie am exakt richtigen Punkt im Prozess genutzt wird.

Nach der Strategiephase, wenn absolut klar ist wer du bist und was dein Auftritt kommunizieren soll, hilft Inspiration die visuelle Richtung greifbar zu machen. Ein Bild das eine Stimmung perfekt einfängt. Eine Typografie die zur definierten Persönlichkeit passt. Eine Farbwelt die das strategische Ziel präzise unterstützt.

Inspiration als Verfeinerung einer klaren Grundlage ist ein mächtiges Werkzeug. Inspiration als Ersatz für eine Grundlage ist der garantierte Weg in die Austauschbarkeit.

Der finale Test: Wenn du auf ein Inspirationsbild schaust und denkst „das gefällt mir“, ist das purer Geschmack. Wenn du schaust und denkst „das trifft exakt wie ich in meinem Markt wahrgenommen werden will“, ist das Strategie.

Nur Letzteres ist ein tragfähiger Ausgangspunkt für dein Website Design. Alles andere kostet dich auf lange Sicht Sichtbarkeit, Vertrauen und Umsatz.

 

FAQ

Warum sind Pinterest-Boards keine gute Grundlage für Website Design? Weil sie zeigen was dir gefällt, nicht was zu deiner Marke passt. Geschmack ist subjektiv und veränderlich. Eine Marke die auf Geschmack basiert verändert sich mit dem Geschmack. Eine Marke die auf Identität basiert entwickelt sich mit dem Business. Inspiration ist sinnvoll als Verfeinerung einer klaren Grundlage, nicht als Ersatz dafür.

Was ist der richtige Ausgangspunkt für Website Design? Fragen statt Bilder. Wer bist du, was soll jemand fühlen wenn er deinen Auftritt trifft, welche Preisklasse soll kommuniziert werden, wer ist deine Zielgruppe. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, hat Design eine Grundlage die nicht nach einem Jahr wieder falsch ist.

Kann ich trotzdem Inspiration nutzen? Ja, aber an der richtigen Stelle. Nach der Strategiephase als Verfeinerung: Ein Bild das eine Stimmung trifft, eine Typografie die zur Persönlichkeit passt. Nicht als Ausgangspunkt sondern als Konkretisierung von etwas das bereits klar ist.

Kathrin Pyplatz – Brand- und Webdesignerin

Ich bin Kathrin Pyplatz, Brand- und Webdesignerin mit über 20 Jahren Erfahrung im DACH-Markt.

Mit meiner empirebrand™ Methodik begleite ich selbstständige Frauen dabei, eine Marke zu entwickeln die ihre Expertise sichtbar macht und ihr Preisniveau trägt. Kein fremder Vibe. Keine aufgesetzte Persönlichkeit. Ihre eigene.  Mehr über mich →